Die ersten Industriebauten wurden zwischen 1906 und 1930 durch die Société de la Viscose Suisse S.A. erbaut. Einige dieser Liegenschaften, wie zum Beispiel die Scheddachhalle (Gebäude 633) aus dem Jahr 1907 oder die Séchoirhalle (Gebäude 632) aus den 1930er Jahren, sind noch aus dieser Gründerzeit. Andere Gebäude wurden nach und nach erstellt und an diesen bestehenden Bauten angebaut. Die einzelnen Liegenschaften werden heute als Gewerbeflächen von unzähligen Firmen und Vereinen gemietet. Das alt-neue Industriedorf ist von einer hohen Vielfalt geprägt und soll auch in Zukunft seine ortstypische Identität beibehalten.
Die Bauherrschaft strebt eine nachhaltige Entwicklung des Areals an.
In der ersten Phase werden die erhaltenswerten Gebäude 633 und 633a energetisch saniert und statisch ertüchtigt. Das Architekturbüro NIGGLI & REALINI architekten aus Emmenbrücke leitet die Planung in Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege Luzern.
Die zweite Phase sieht umfassende Veränderungen vor, darunter die Sanierung und Erweiterung der Gebäude 634 und 616, den Ersatzneubau der Halle 632 und die Aufstockung des Gebäudes 636.
Aufgrund der Grösse des Areals wird ein Gestaltungsplanverfahren eingeleitet. Das Raumplanungsbüro Stadtlandplan AG aus Luzern leitet für die Bauherrschaft das Verfahren.
Das Richtprojekt, in dem die gestalterischen Grundlagen für den Gestaltungsplan erarbeitet werden, wurde durch raumfacher. architekten gmbh und NIGGLI & REALINI architekten gmbh erstellt. Die Umgebungsgestaltung wird von bulgheroni Landschaftsarchitektur GmbH übernommen.
Durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Bestand lernten die Architekten die DNA des Industriareals kennen. Die Hallenbauten, welche durch die Architekten Möri und Krebs in den Gründungsjahren geplant und erstellt wurden, sind von sehr einfachen, materialgerechten und somit ressourcenschonenden Strukturen geprägt. Dank der gewählten Typologie konnten dieeinzelnen Bauten mit kleinen Eingriffen fortlaufend an die neuen Nutzerbedürfnisse angepasst werden. Diese hohe Nutzungsflexibilität und der ressourcenschonende Einsatz von Materialien standen im Entwurfsprozess des Richtprojekts Vordergrund. Nicht zuletzt auch um neue Techniken und Materialien selbstverständlich in einer sehr wertvollen, bestehenden Struktur zu integrieren.